Als Führungskraft spitze


Woran liegt es, dass manche Menschen einen Raum betreten und einfach präsent sind? Sie wirken authentisch, werden angehört und das unabhängig von der hierarchischen Ebene. Die Vorgesetzten, die eine natürliche Autorität haben, haben sie nicht aufgrund irgendwelcher Techniken – die würden Mitarbeiter sehr schnell durchschauen. Eine natürliche Autorität beruht auf Integrität, also ein Leben nach Werten und damit ist ein Vorgesetzter von Mitarbeitern gut einschätzbar. Er wirkt authentisch.

Was sind nun wirklich die Qualitäten einer Top-Führungskraft? Neben der fachlichen und sozialen Kompetenz sind Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und ein empathischer Kommunikationsstil wesentlich. Je mehr wir in diesen Bereichen qualifiziert sind und umso ganzheitlicher wir agieren, desto umfassender können wir im Beruf und privat erfolgreich sein, also unsere Ziele erreichen.

Um authentisch sein zu können muss ich mich selbst gut kennen. Authentische Menschen kennen Ihre Stärken und Schwächen und akzeptieren diese. Durch diese Akzeptanz entsteht die Selbstsicherheit, die erforderlich ist, um authentisch zu wirken. Ich muss meinem Gegenüber Kompetenz und Sicherheit vermitteln und dafür benötige ich selbst diese Sicherheit. Gestärkt wird die Selbstsicherheit durch ein klares Bewusstsein meines eigenen Wertesystems, meiner Bedürfnisse, meiner Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das bedeutet nicht Selbstdarstellung, sondern einfach in seinen Fähigkeiten und Werten ruhen.

Selbstachtung ist eine Grundlage für Selbstsicherheit

Erinnern wir uns. Als Kind war es für uns wichtig, „von Bedeutung“ zu sein und unser soziales Umfeld (Eltern) vermittelte uns dies. Wenn wir glaubten, nicht wichtig zu sein, war die Ausgangsposition für die Entwicklung unserer Selbstachtung eher schlecht. Jemand, der nie die eigene Bedeutung empfunden hat, hat leicht Schuldgefühle und tut sich recht schwer, Selbstachtung zu empfinden.

Über die Körpersprache erfährt schon das Baby – ohne Worte –  seine „Wichtigkeit“ im Leben der Eltern, durch Berührungen, Emotionen, die es wie ein Seismograph mitempfindet. Der eigenen Bedeutung ist sich ein Kind am sichersten, wenn es bedingungslos geliebt wird. Ist diese Liebe der Eltern abhängig von Bedingungen, lernt das Kind, dass es, wenn es sich gut benimmt, ein „guter“ Mensch ist – und umgekehrt. Es lernt, dass sein Wert von der Beurteilung oder Verurteilung anderer Menschen abhängt. Es ist gut nachvollziehbar, dass ein Kind, das bedingungslose Liebe erfahren hat, selbstsicherer ist.

Kompetenz bedeutet, sich sicher sein, dass wir etwas verändern oder beeinflussen können. Kinder lernen Kompetenz, wenn sie die zu geringen Erwartungen der Eltern übertreffen. Überfürsorglichkeit der Eltern beeinträchtigt daher das Erlernen von Kompetenz.

 Unabhängig von anderen Menschen – Bindungen, Freundschaften etc. – zu wissen, wer wir selbst sind, ist entscheidend für unsere Selbstachtung. Wir müssen lernen, uns selbst und unsere Umwelt realistisch wahrzunehmen. Realitätssinn schließt das Wissen und Bewusstsein mit ein, dass wir alle auch Fehler haben.

 Soziale Kompetenz

Eine Führungskraft muss das Verhalten und die Einstellung ihrer Umwelt mit beeinflussen können. Aber nicht,  indem sie manipuliert! Sondern indem sie soziale Kompetenz zeigt, d.h. die Gesamtheit der eigenen Fähigkeiten und Einstellungen, die dazu beitragen, von einer individuellen auf eine gemeinschaftliche Handlungsorientierung hin auszurichten.  Wenn Sie Veränderungen anstreben, sollten Sie sich auf Neues einlassen! Wie soll etwas anders werden, wenn wir das gleiche machen, was wir schon immer gemacht haben? Entgegengesetzt dazu vergrößert sich unsere Selbstsicherheit, wenn wir uns auf etwas Neues einlassen und Herausforderungen annehmen.

Jeder Mensch hat aufgrund der eigenen Erfahrungen einen eigenen persönlichen Blickwinkel sowie ein ganz persönliches Wissen. Genau das ist die Grundlage für die Informationsaufnahme und Einordnung. Unter ganz verschiedenen Begriffen können – aufgrund der eigenen Erfahrungen – ganz unterschiedliche Dinge verstanden werden. Wichtig ist, mit aktivem Zuhören und Empathie diese Unterschiede wertfrei sichtbar zu machen, also „mit den Augen des Anderen“ zu sehen. Oft wird interpretiert und nicht wirklich verstanden was der andere meint oder wir projizieren unsere eigenen Gefühle in den anderen hinein. Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner ernst und fragen Sie aktiv nach, um wirklich zu verstehen. Wenn Sie das mit Wertschätzung und Respekt durchführen, werden Sie wesentlich wirksamer.

Für einen Vorgesetzten ist es essentiell, die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, die Verhaltensweisen und die Motivation dahinter zu erkennen und zu beachten. Bedürfnisse werden erst oft durch ein Gefühl wahrgenommen. Dies ist deshalb meist sehr schwierig, da wir keine konkrete Bezeichnung dafür finden. Oft drückt sich Unzufriedenheit in Aggression oder Passivität aus. Es sind Gefühle, die zum Handeln führen, sie sind immer gut und richtig und dienen der Sache.  Erkennen Sie die Bedürfnisse und sprechen Sie sie aktiv an.

Individualität

Was heißt eigentlich Individualität? Oft wird es falsch verstanden oder interpretiert. Es geht in erster Linie darum, eigenständig und  authentisch zu sein. Dazu gehört, genau zu wissen, wer man ist, die eigenen Gefühle zu erkennen und sich als Individuum zu begreifen. Dieses eigene Erkennen korreliert mit der Abgrenzung gegenüber anderen. Auch seine eigenen Gefühle zu kennen und dazu zu stehen, bedeutet, sich selbst zu erfahren. Es wird nicht unsicher gefragt, ob es anderen auch so ergeht. Wer sich auf sich selbst bezieht und authentisch ist, kann sich ehrlich und offen äußern. Es ist nicht wichtig, wie andere darüber denken oder was sie gerade hören wollen. Dieses Authentisch-Sein ist die Individualität, die uns in der Führung zu spannenden Gesprächspartnern macht.

Individualität ist eine wichtige Voraussetzung, um mit anderen Menschen gut kommunizieren zu können. Erst wenn ich mich selbst kenne und achte, mit meinen Stärken und Schwächen gut umgehen kann, kann ich das auch mit meinem Mitmenschen! Logik dagegen kennt nur Ja oder Nein, hier ist kein Platz für Gefühle und Befindlichkeiten. Die andere Sichtweise wird nicht toleriert und damit ist Kommunikation erschwert.

Persönliches Image

Achten Sie nicht nur auf Gefühle, sondern nehmen Sie Bedürfnisse der Gesprächspartner nach Distanz oder auch Nähe wahr. Die Höflichkeitsform darf aber nicht über den Inhalt gestellt werden. Wer vor lauter formeller Worte und Gesten das wirkliche Interesse vernachlässigt, wird nicht akzeptiert.

Soziale Kompetenz hat eher derjenige, der auf den anderen zugeht, ohne zu nahe zu treten, also wertschätzend auf die Menschen zugeht; wer anspricht ohne aufzudrängen. Dazu gehören genaues Beobachten, sensibles Wahrnehmen der Gesten der Körpersprache, das Eingehen auf jede Veränderung in Mimik, im Tonfall oder in der Körperhaltung.

Grundvoraussetzung für ein positives Image sind Ihre fachliche Kompetenz, Zuverlässigkeit, Integrität, Umsicht und Fairness. Mitarbeiter erkennen sehr schnell, wenn fachliche Anforderungen und charakterliche Werte fehlen. Ein positives Image behält nur derjenige, bei dem die Verpackung dem Inhalt entspricht. Seien Sie authentisch und Sie bekommen Aufmerksamkeit, wenn er zur Tür hereinkommt.

Ulrike Knauer www.ulrikeknauer.com

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